Wie alles begann

The Freeride Experience 2004 – Wie alles begann

Ein  Rückblick zur ersten Freeride Experience 2004, die vom 11.bis 14.03 in der Gletscherwelt Weißsee – Uttendorf stattfand. Damals noch unter dem Namen K2 Whitelake Freeride Camp. Ein stürmisches Wochenende am Weißsee oder wie ‘Saurüssel’ zum Synomym für Freeskiing und gemeinsames Erlebnis in Einem wird …

Freeskiing, die Motivation

Foto3 ‘Freeriding’ Skifahren im offenen Gelände. Weiches Gleiten im Pulverschnee, Fahren in steilen Couloirs… Freeskiing, die Urform des alpinen Skifahrens. So oder ähnlich stellen sich viele Freeskiing vor, das Skifahren im freien Gelände. Ich nicht anders. Im Winter 2003 wurde mein Traum Wirklichkeit. In Chamonix, dem Mekka des alpinen Skisports. Ich hatte die Möglichkeit beim letzten ‘Red Bull Snowthrill of Chamonix’, der inofiziellen Weltmeisterschaft im Freeskiing, bei der durchführenden Agentur mitzuarbeiten. www.redbullsnowthrill.com
Fasziniert vom Sport als solchem, dem bunten Treiben am Berg und in der Stadt, hatte ich kurz darauf den Entschluß gefasst, ein Freeskiing Camp bei mir zuhause in den Hohen Tauern zu veranstalten.
Foto2Gesagt – getan! Im März 2004 ist es dann soweit. Zusammen mit Thomas Mayr, einem meiner besten Freunde als Bergführer, meinem Bruder Joe als Fotograf, Bert Lammel, Abgesandter von Co-Sponsor MARKER und Mentor seit der ersten Stunde und einem Dutzend anderen Skiverrückten starten wir mit einem starken Kribbeln im Bauch in das Camp.

Donnerstag 11.März
11:00. Start zum 1. K2 Whitelake Freeride Camp. Tom und ich trudeln vergnügt bei der Talstation der Weißseebahn ein. Doch ein unwohles Gefühl macht sich breit in den Gesichtern der wartenden Campteilnehmer. Der Föhn, im Tal noch nicht zu merken, hat sich seit dem Vortag auf mittlerweile bis zu 100 km/h beschleunigt. Mein erster Gedanke: „Liebe Bergeister, laßt uns bitte auf den Berg und stopp den Wind.“
An ein Hinauffahren zur Rudolfshütte ist in diesem Moment nicht zu denken. Die Seilbahnahn ist im oberen Bereich gesperrt. Zum Glück können wir dann doch bis zur Mittelstation hinauf. Von dort gehts dann nur mit Funkbegleitung zur Rudolfshütte weiter. Langsam aber stetig!

Oben angekommen jagt uns die starke Brise trotz Sonnenscheins in die warme Hütte. Was sag ich Hütte, eigentlich ist die Rudolfshütte ein sattes Hotel auf 2.500 m Höhe mit dem Komfort eines ** Hauses mit Kletterwand, Boulderhalle, Sauna und allem Sonstigem was es halt so braucht für den Touristen aus der Stadt. So bleibt uns wegen des Windes auch nichts anderes übrig als unsere Zimmer zu checken und das Haus zu erkunden. Lediglich ein paar Hartgesottene können es sich nicht nehmen lassen die Tourenski anzuschnallen und eine kleine Tour zu wagen. Zurück von der Tour sitzen wir schon alle längst beim Abendessen. Der erste Abend wird kurz, die erste lange Tour nächsten Tag wartet.

Freitag 12.März
7:00. Der Wecker reißt mich aus meinen süßen Träumen. Ich wage den Blick aus dem Fenster und kann meinen Augen nicht trauen. Herrliches Winterwetter und kein Hauch von einer Prise Wind. Ein Stein fällt mir vom Herzen. Schnell und vergnügt zum Frühstück. Ein paar Gutemorgensemmerl hineingestopft und den obligatorischen Tourentee vorbereitet, geht’s ab die Post hinaus vor die Hütte.

Foto1Ab geht’s zur ersten richtigen Tour. 15 rucksackbepackte Mädels und Jungs, vorne Tom als Führer und Joe knipsend um uns herum. Vorbei am halbleeren Weißsee mit seiner blanken Staumauer hinüber zum Fuß des 3.000 m hohen Sonnblicks. Schon nach 1 Stunde und etlichen Schweißperlen ist für den ersten aus unserer Gruppe Endstation. Und das schon am ersten Rastplatz. Nach 3 Stunden schafft die Hälfte von uns den Kampf auf Gipfel. So weit das Panorama – so breit das Grinsen. Eine unendliche Fernsicht erwartet die Glücklichen auf dem Sonnblick. Meine Ehrlichkeit ist leider nicht dabei.

 

Foto6Der Weg zurück, das eigentliche Ziel unserer Tour, wird dann zur ersten Herausforderung. So stark wie der Wind so hart ist auch der Schnee. Über die windgepreßte Oberfläche zu cruisen fällt so manchem überraschend schwer. Sogar den Freeridern unter uns. Mit Tourenskiern- und Schuhen schaut die Sache nämlich komplett anders aus. Zum Glück wird sich das im Laufe des Wochenendes noch ändern.

Nachdem wir die beschwerliche Abfahrt hinter uns bringen checken wir uns die, insbesondere von mir ersehnten, K2 Freeride Ski. Die Freeskiing Kanone „Seth Pistol“ unter unseren Füßen und der Sonne im Nacken, drehen wir unsere ersten Schwünge auf der vom Wind polierten Piste. Schon nach einer knappen halben Stunde pflügen wir wie auf Schienen durch den windgepreßten Schnee und Bruch. Nicht einmal der wiederauflebende Wind kann uns was anhaben, so begeistert sind wir vom Material und dem Gelände. Höhepunkt des Tages wird unsere Erstbefahrung des „Saurüssel“, einem der bekanntesten Off-Piste Hänge oben in der Gletscherwelt Weißsee.

Beim Abendessen gibt’s dann viel zum Erzählen und Staunen. Zum Glück hab ich mein Apple iBook mitgebracht und so können wir gemeinsam in der Runde die Fotos vom 1. Tag betrachten. Cooles Material! So rasant wie das Schifahren so schwungvoll wird der Abend danach. Wir fahren volles Programm. Das fällt nicht auf, sind doch nicht die einzigen Leute in der Hütte die zu später Stunde fest feiern und tratschen.

Samstag 13.März
Foto5Motiviert von den vortägigen Erlebnissen, einem extremen „Seth Morrisson“ Freeskiing Video, das wir uns noch vor dem Schlafengehen reingezogen haben und Bert’s detaillierten Ausführungen über MARKER Bindungen, verzichten wir von der Freeride Fraktion klarerweise auf eine Tour und verschwinden sofort in das Gelände abseits der Pisten. Eine lange Tour ist nicht nötig, sind die Möglichkeiten „off piste“ doch wirklich ideal. Im Einzugsbereich der Weißseegondelbahn gibt’s steile Hänge, Rinnen und Felsen. Für jeden was dabei.

Bolzen Bolzen Bolzen ist unsere Devise. Langgezogene Schwünge durch den Firn, rasante Turns durch den Saurüssel und mit der Gondel wieder rauf. Freeriding, wie im Traum.
Ein paar Hartgesottene aus unserer Gruppe wagen dann doch eine lange Tour. Aufstieg über das Sonnblickkees vorbei an der Granatspitze und mit einem fantastischen Powderrun hinunter ins Dorfertal.

„Beim Reden kummand Leit zam“ lautet ein Sprichwort im Pinzgau. Und genauso ist es an unserem letzten Abend an der Bar. Gemütliches Beisammensitzen mit ein paar ausgewählten Flaschen guten österreichischen Weins. Etliche Geschichten über Gott und die Welt machen die Runde, neue Bekanntschaften werden geschlossen. Unsere „Ossies“ zuerst Exoten am Berg sind bald Teil der „Saurüssel-Gang“. Vergeßt jedes Apres Ski! Was für eine Nacht, frage nicht!

Sonntag 14. März, der Tag danach
Foto4Die Sachen gepackt, das Frühstück genossen, ist nochmal lockeres Freeriden angesagt. Während ein Teil unserer Gruppe eine neue unbekannte Abfahrt hinunter durch die „Ochsenscharte“ wagt, reitet der Rest noch ein paar mal über den Firn im „Saurüsssel“. Unten bei der Mittelstation geben wir uns ein letztes Stelldichein. Die Sonne versüßt uns zum Abschluß den Abschied von einem traumhaften Wochenende. An der Talstation hat uns der Alltag zurück. Im Kopf bleibt trotzdem die Erinnerung an einsame Spuren im Schnee und der Gedanke an ein neues Erlebnis 2005.

Text Volker Hölzl, Fotos Joe Hölzl www.joe-hoelzl.com